Das Münchener Oktoberfest als Wirtschaftsfaktor.
(km)
Das Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) der Bayerischen Landeshauptstadt
München hat als Veranstalter des Oktoberfests während der Wiesn 2019 eine
repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, die über Wirtschaftswert des
Volksfestes, Besucherstruktur und Image Auskunft gibt. Damit erfolgt eine
Aktualisierung des Ergebnisses der Umfrage 2014.
Wirtschaftswert der Wiesn
Nach aktuellen Berechnungen des
Veranstalters auf Basis der genannten Umfrage betrug der Wirtschaftswert des
Oktoberfests 2019 1,25 Milliarden Euro.
• Den Umfragen und Berechnungen zufolge gaben die rund
6,3 Millionen Festbesucher an den 16 Tagen insgesamt etwa 448 Millionen Euro
(pro Person durchschnittlich 71,12 Euro) direkt auf dem Oktoberfest aus.
•
Die auswärtigen Besucher ließen für Verpflegung, Einkäufe, Taxifahrten oder die
Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel weitere 289 Millionen Euro in der
Stadt.
• Für Übernachtungen und Gastronomie gaben die auswärtigen Festgäste
nochmals insgesamt rund 513 Millionen Euro aus
• 71 Prozent (2014: 65
Prozent) der auswärtigen Gäste übernachteten während des Oktoberfests in
München. Diese Übernachtungen teilen sich wie folgt auf:
- 31 Prozentpunkte
(2014: 30 Prozentpunkte) wählten eine Unterkunft bei Freunden, Verwandten und
Bekannten
- 40 Prozentpunkte (2014: 70 Prozentpunkte) logierten in
kommerziellen Unterkünften (Hotels, Pensionen, Campingplätze, private Vermieter,
Jugendherbergen).
• 71 Prozent (2014: 65 Prozent) der auswärtigen Gäste
übernachteten während des Oktoberfests in München. Diese Übernachtungen teilen
sich wie folgt auf:
- 31 Prozentpunkte (2014: 30 Prozentpunkte) wählten eine
Unterkunft bei Freunden, Verwandten und Bekannten
- 40 Prozentpunkte (2014:
70 Prozentpunkte) logierten in kommerziellen Unterkünften (Hotels, Pensionen,
Campingplätze, private Vermieter, Jugendherbergen).
Woher die Gäste kommen
Das Oktoberfest ist nach wie vor
ein bayerisches Fest: Die überwiegende Mehrheit der Oktoberfestbesucher kommt
mit 70 Prozent aus Bayern (2014: 71 Prozent), konkret 62 Prozentpunkte direkt
aus München und dem Umland (2014: 58 Prozent) und 8 Prozent aus dem übrigen
Bayern (2014: 13 Prozent). 9 Prozent der Wiesn-Gäste (2014:15 Prozent) reisen
aus den übrigen deutschen Bundesländern an. Die restlichen 21 Prozent der
Festgäste (2014: 14 Prozent) kommen aus dem Ausland, davon aus Italien 3,9 %
(2014: 1,7 %) der Schweiz 1,3 % (2014: 1,7 %) den USA 3,7 % (2014: 1,7 %)
Australien 0,9 % (2014: 1,0 %) Österreich 2,9 % (2014: 1,1 %) Kanada 0,9 %
(2014: 0,3 %) GB 1,4 % (2014: 1,4 %) Niederlande 0,9 % (2014: 0,3 %) Irland 0,7
% (2014: 1,2 %) Frankreich 0,3 % (2014: 0,6 %) Indien 0,4 % (2014: 0,7 %)
Brasilien 0,3 % (2014: 0,4 %) andere Länder: 3,4% (2014: 3,8%). Der statistische
Wiesntisch mit zehn Sitzplätzen ist demnach mit sechs Gästen aus München oder
der Umgebung, einem sonstigen Bayern, einem Deutschen und zwei Ausländern
besetzt. Die Ausländer kommen dabei mit großer Wahrscheinlichkeit aus Italien,
den USA oder Österreich.
Wie alt die Besucher sind
Die Wiesn ist nach wie vor
ein Fest für alle Generationen. Jung und Alt feiern gemeinsam. Dem allgemeinen
demografischen Wandel entsprechend steigt das Durchschnittsalter der
Oktoberfestbesucher. So hat die Altersgruppe „30 Jahre und älter“ 2019 einen
Anteil von 64 Prozent (2014: 57 Prozent). Dementsprechend ging der Anteil der
unter 30-Jährigen von 43 Prozent 2014 auf 34 Prozent im Jahr 2019 zurück. Die
größte Besuchergruppe war mit 25 Prozent die der 30- bis 39-Jährigen, gefolgt
von den 25- bis 29-Jährigen mit 17 Prozent. Jeweils einen Anteil von 15 Prozent
hatten die 18- bis 24-Jährigen und die Gäste im Alter von 40 bis 49 Jahren.
60-Jährige und ältere Besucher waren 2019 mit 13 Prozent gegenüber 12 Prozent im
Jahr 2014 vertreten. Mit 11 Prozent bildeten die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen
sowie die unter 18-Jährigen mit 2 Prozent das Schlusslicht. Das
Geschlechterverhältnis ist mit 50 Prozent (2014: 51 Prozent) weiblichen und 49
Prozent (2014: 49 Prozent) männlichen Besuchern ausgewogen. Ein Prozent der
Besucher wählte die Bezeichnung divers. In den Jahren 1999/2000 waren noch 62
Prozent der Gäste Männer und nur 38 Prozent Frauen. 2008 hatten Frauen und
Männer schon den gleichen Anteil wie 2019.
Einmal Wiesn – immer Wiesn
Auf die Frage „Sind Sie zum ersten Mal auf dem Oktoberfest?“ antworteten 22
Prozent (2014: 20 Prozent) der Befragten mit „ja“. Sowohl 2014 wie auch im Jahr
2019 war der Besuch der Wiesn für jeden fünften Besucher der erste. Nur fünf
Prozent der Gäste aus München, aber 28 Prozent der Gäste aus Deutschland und 60
Prozent der Gäste aus dem Ausland waren 2019 das erste Mal auf dem Oktoberfest.
78 Prozent (2014: 80 Prozent) der Befragten sind Folgebesucher und haben die
Wiesn schon früher einmal oder mehrmals besucht. Für die Mehrzahl der
Wiesn-Besucher ist der Besuch der Festwiese an den 16 Tagen keine einmalige
Sache. Knapp 80 Prozent der Gäste besuchten 2019 das Oktoberfest mehr als
einmal, über die Hälfte (57 Prozent) sogar mehr als drei Mal. Somit hat sich die
Besuchshäufigkeit gegenüber 2014 deutlich gesteigert. Die Mehrheit der Gäste
verbrachte zwischen drei und neun Stunden auf dem Volksfest.
Zufriedenheit der Gäste
Die große Mehrheit der Gäste ist mit dem
Angebot auf dem Oktoberfest zufrieden. Das Angebot an Schaustellungen, Waren und
gastronomischen Betrieben gefällt insgesamt 98 Prozent (2014: 96 Prozent) aller
Befragten. 95 Prozent der Befragten gefiel das Angebot der Gastronomie. Auf die
Frage „Was fehlt Ihnen bei dem Angebot der Speisen und Getränke“ antworteten
über 36 Prozent der Befragten „günstigere Angebote“. 9 Prozent der Befragten
wünschten sich „gesünderes Essen“ und 5 Prozent „mehr Vegetarisches“. 85 Prozent
der Befragten waren allein mit der Vielfalt der Fahrgeschäfte weitgehend
zufrieden. 11 Prozent der Gäste hätten sich allerdings über günstigere Preise
gefreut. Das Angebot für Kinder allgemein auf der Wiesn wurde von 64 Prozent der
befragten Gäste positiv eingeschätzt, allerdings auch für zu teuer gehalten.
Abzüge bei der Kinderfreundlichkeit gab es durch die Antwort „zu voll“ (7,6
Prozent), den Ruf nach mehr Bereichen nur für Kinder (1,1 Prozent) und dem
Auftreten von „zu vielen Betrunkenen“ (0,6 Prozent). Auf dem Festplatz fühlen
sich die Gäste mit 94 Prozent überwiegend sicher. In Sachen Barrierefreiheit ist
das Oktoberfest unter den deutschen Volksfesten führend. 60 Prozent der
Befragten finden die Wiesn behindertengerecht. Der Wunsch nach bargeldlosen
Bezahlmöglichkeiten ist bei über der Hälfte (58 Prozent) der Befragten groß.
Bierzeltbesuch
Der Besuch einer der Festhallen
gehört zu einem Wiesn-Bummel für die meisten Gäste einfach dazu: 79 Prozent
(2014: 78 Prozent) aller Befragten besuchten ein Bierzelt, 15 Prozent (2014: 22
Prozent) hatten nicht vor, eine Festhalle aufzusuchen, und 6 Prozent waren noch
unsicher. Die Hauptgründe dafür, kein Bierzelt zu besuchen, waren „kein
Interesse“ (62 Prozent), „keinen Platz bekommen“ (19 Prozent) und „zu teuer“ (11
Prozent). Für die Gruppe der internationalen Gäste ist ein Besuch im Bierzelt
attraktiver als für Gäste aus dem Inland. 92 Prozent (2014: 91 Prozent) der
Befragten aus dem Ausland gaben an, ein Bierzelt besuchen zu wollen gegenüber 76
Prozent (2014: 73 Prozent) der Deutschen. Der Besuch einer Festhalle ist
besonders für die unter 30-Jährigen attraktiv: Von den 18- bis 24-Jährigen zieht
es bis zu 87 Prozent in ein Bierzelt, 85 Prozent der 25- bis 29-Jährigen sind
ebenfalls mit dabei. Besonders von den Festhallen angezogen erweist sich mit 82
Prozent auch die Gruppe der Best Ager von 50 bis 59 Jahre. Für die 30- bis
39-Jährigen mit 77 Prozent und die 40- bis 49-Jährigen mit immerhin noch 72
Prozent gehört ein Bierzeltbesuch zum Oktoberfest dazu. Aber auch die Generation
60+ steht mit 76 Prozent den Jüngeren kaum nach. Für Männer ist der Besuch eines
Festzeltes mit 81 Prozent (2014: 83 Prozent) immer noch attraktiver als für
Frauen mit 78 Prozent (2014: 74 Prozent). Der Trend weist auf eine Annäherung
der beiden Geschlechter bei dieser Frage hin.
Das
Volksfestvergnügen
Über die Hälfte der Befragten (59 Prozent) gaben
an, den Schaustellerbereich auf der Wiesn zu besuchen. Teils aus Desinteresse
(61 Prozent), teils, weil zu teuer (20 Prozent), oder weil der Festplatz zu voll
war (6,4 Prozent), hießen die Antworten auf die Frage, aus welchen Gründen der
Schaustellerbereich nicht aufgesucht werde.
Oide Wiesn
51 Prozent der Befragten gefällt an der Oidn
Wiesn der geringere Trubel. Das nostalgische Flair mit den historischen
Fahrgeschäften und Attraktionen machen für 27 Prozent der Befragten den
besonders Reiz dieses Teils der Wiesn aus, die spezielle Atmosphäre und gute
Stimmung motivieren 45 Prozent zu einem Besuch und 22 Prozent sehen in der Oidn
Wiesn ein „Stück Heimat“. Das Angebot zum Tanzen, die Musikauswahl und die
Kulturvermittlung werden als positiv empfunden. Von den Festzelten auf der Oidn
Wiesn hat das Programm des Festzelts Tradition mit bayerischer Volkskultur am
meisten Anklang gefunden (21 Prozent). Auch das Angebot für Kinder wird lobend
erwähnt (18 Prozent). 17 Prozent der Befragten sahen bei einem Besuch der Oidn
Wiesn gute Chancen auf freie Plätze in den Festzelten. Eine Besuchsabsicht des
nostalgischen Volksfestteils gaben 38 Prozent der Befragten an. 2019 besuchten
rund 557.000 (2014: 610.000) zahlenden Gäste die Oide Wiesn.
Bekanntheitsgrad der Wiesn
Das Oktoberfest ist weltweit
bekannt und ein „Selbstläufer“. Seit 1985, dem Jahr des 175.
Oktoberfestjubiläums mit 7,1 Millionen Besuchern, wird für die Wiesn nicht mehr
geworben. Bereits eine Umfrage über Akzeptanz und Bekanntheit deutscher Begriffe
im Ausland, die im Auftrag der Deutschen Zentrale für Tourismus im Februar 1999
von der Agentur Bates weltweit durchgeführt wurde, ergab, dass 91 Prozent der
Befragten den Begriff „Oktoberfest“ kannten. Heute tragen soziale Medien das
Oktoberfest in alle Welt: Aktuell finden zum Beispiel der Suchdienst „Google“
zum Begriff „Oktoberfest“ Einträge in Millionenhöhe (Mai 2020: 56.300.000
Einträge), „youtube“ 21.800.000 (2014: knapp eine Million) Einträge, Instagram
24.300.000 Einträge und Twitter zwitschert 41.700.000 (2014: 3,5 Millionen) Mal
über die Wiesn. Nicht zu vergessen die Webcams, die auf der Wiesn installiert
sind und täglich Live-Bilder des Festgeschehens rund um den Globus liefern.
Durch seinen weltweiten Bekanntheitsgrad ist das Oktoberfest ein touristischer
Magnet und Exportartikel par excellence.
Imagewert
der Wiesn
Mehr als 2.000 „Oktoberfeste“ nach Münchner Manier werden
über den Erdball verteilt veranstaltet. Hiervon finden die Größten in Blumenau
(Brasilien) und in Kitchener (Kanada) mit jeweils rund einer Million Besuchern
statt, gefolgt von Frankenmuth/Michigan (USA) mit etwa 350.000 Besuchern. In
China gibt es „Bierfeste“ der Superlative: Die im Juli und August stattfindenden
Feste in Peking, Dalian und Quingdao weisen Besucherzahlen in Millionenhöhe auf.
Das Oktoberfest prägt das Image der weißblauen Metropole unverkennbar. Der
Werbewert der Wiesn für München ist zwar nicht messbar, doch der Ruf, den
München durch das Oktoberfest national und international genießt, schlägt sich
in den Besucherzahlen nieder. Nicht zuletzt dank dieses einmaligen Volksfestes
gehört München zu den führenden Tourismus-Metropolen Deutschlands.
Arbeitsplatz Wiesn
Während der „Wiesn-Saison“ stehen
auf dem Oktoberfest etwa 13.000 Arbeitsplätze bereit. 8.000 Beschäftigte werden
in festem Arbeitsverhältnis angestellt, weitere 5.000 Personen finden als
wechselnde Beschäftigte auf der Wiesn Arbeit.
Die Organisation
Seit über 180 Jahren wird das Oktoberfest
von der Bayerischen Landeshauptstadt München ausgerichtet und die Entwicklung
des Volksfestes von städtischer Seite gesteuert. Für die Organisation und
Abwicklung des Festes ist das Referat für Arbeit und Wirtschaft zuständig. Auf
seinen Vorschlag trifft der Wirtschaftsausschuss des Münchner Stadtrats alle
wichtigen Entscheidungen über die Wiesn. Etwa 1.100 Bewerbungen von
Schaustellern und Marktkaufleuten gehen jährlich ein und werden bewertet.
Letztlich werden etwa 550 Bewerber zugelassen.
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